Quittengehölze mit dem botanischen Namen Cydonia oblonga (nach Miller) stellen in der Pflanzensystematik als Monotypische, die einzige Art ihrer Gattung und gehören zur Familie der Rosengewächse (ROSACEAE). Am nächsten sind sie mit der Unterfamilie der Apfelartigen (MALOIDAE) verwandt, welche sich wiederum aus den Gattungen von Apfel, Birne, Mispel, Weißdorn, Vogelbeere, Apfelbeere, Mehlbeere, Felsenbirne, Zierquitte... formiert.
Nachdem Quitten, ihrer aromatischen Früchte wegen, schon vor über 4000 Jahren von Wildquittensträuchern aus dem Kaukasus weitervermehrt wurden, sind im Laufe der Zeit durch Auslese, Kreuzungen und Zufallsmutationen, eine Vielzahl an Quittensorten entstanden, welche zwischen lokaler und globaler Verbreitungsgeschichte das genetische Spektrum der Kulturquitten mannigfaltig bereichert haben.
Die artspezifische Biodiversität von weltweit etwa 200 Quittensorten wäre noch mit jener unbekannten Zahl an Varietäten zu addieren, welche nur regionalen Bekanntheitsgrad besitzen oder auch als unikate Sämlingsquittenbäume ohne Namenstaufe, in Hausgärten und auf Streuobstwiesen der verschiedensten Nationen wurzeln.
Doch wie bei so vielen Nutzpflanzen und anderen Obstarten der Fall, steht auch die gelbe Quittenvielfalt im Schatten des unwiederbringlichen Sortenschwunds.
Während hierzulande, beispielsweise eine Berliner Baumschule bis 1924 allein in ihrem Sortimentsbuch 24 Quittensorten aufgelistet hatte, lassen sich gegenwärtig wohlgemerkt in sämtlichen Baumschulen Deutschlands, nach mühsamer und für Laien eher unzumutbarer Suche nur noch 6 der alten Varietäten wieder finden. Von diesem halben Dutzend wiederum dominieren jedoch lediglich 2 Sorten (Konstantinopler Apfelquitte & Portugieser Birnenquitte) den Hauptteil des gegenwärtigen Jungpflanzenangebots und definieren darüber hinaus eine genetische Einfalt, welche sich langfristig auf die Fortentwicklung der Obstart Quitte negativ auswirken wird.
Da aber Quittenbäume sehr alt werden können und außerdem binnen der letzten Jahrzehnte vor allem im ländlichem Raum, gärtnerisch ambitionierte Privatpersonen noch das Veredeln von Obstbäumen selbst praktizierten, besteht die auf nahe Zukunft begrenzte Aussicht, zu mindestens einige der verschollenen Quittensorten, wie die Muskatquitte, Sperberquitte, buntblättrige Quitte, Badener Quitte, Braunschweiger Quitte, Persische Zuckerquitte oder langfrüchtige Quitte, wieder aufzuspüren.
Die sich ohne Aufhalt, vollstreckende Sortenerosion zum Anlass und von den ersten Wiederentdeckungen signifikanter Quittenvarietäten 2003 in Mainfranken bestärkt, wurde das fränkische Rekultivierungsprojekt alter Quittensorten ins Leben gerufen.
Buchempfehlung des fränkischen Rekultivierungsprojekts: